Die richtigen Eselsbrücken helfen beim Lernen – außerdem machen sie richtig Spaß!

Wie kommt die Eselsbrücke eigentlich zu ihrem Namen?

Esel sind von Natur aus wasserscheu. Wenn Esel nicht erkennen können, wie tief das Wasser ist, dann gehen sie einfach nicht durch den Bach, Fluss oder See. Deshalb müssen sich die Menschen eine „Umweg-Arbeit“ machen und kleine Brücken bauen, über die die Esel gehen können. Allerdings entscheidet der Esel, ob die Brücke tauglich ist und nicht die Brückenbauer*innen. Ist die Brücke dem Esel zu unheimlich, geht er einfach nicht.

Was hat jetzt dieser sture Esel mit dem eigenen Lernverhalten zu tun?

Störrisch sind wir schon mal nicht. Wir können uns nichts Schöneres vorstellen, als dass der Lerninhalt in unseren Kopf hineinfliegt, gerne ohne Mühe und Arbeit oder zumindest mit wenig Mühe. Leider klappt das mit manchem Lernstoff einfach nicht. Egal wie oft man die Lernkarte liest, es bleibt einfach nichts hängen. Oder man verdreht die Inhalte. Oder man vergisst bei der Aufzählung die wesentlichen Punkte. Oder man verwechselt die Antworten mit einer anderen Karte. Oder es kommt einem so vor, als hätte man diese Karte noch niemals gesehen.

Jetzt kommen die Eselsbrücken ins Spiel. Eine Eselsbrücke ist ein Umweg, der dafür sorgt, dass die Lerninhalte behalten werden. Damit ist eine Eselsbrücke etwas mehr Arbeit. Naja, zumindest im Vergleich zu den Lernkarten, die man sich schnell merken kann. Wenn man diesen Umweg vergleicht mit den Versuchen, sich das Un-merkbare zu merken, dann schneidet eine Eselsbrücke doch recht gut ab.

Allerdings: Nicht jede Brücke trägt!

Kennst du das: Du überlegst dir die tollste Eselsbrücke und dann … fällt dir die Eselsbrücke nicht ein. Und der Lernstoff auch nicht. Diese Brücke hat also nicht getragen. Das ist übrigens ganz normal und kein Grund an dir zu zweifeln. Einfach eine neue Eselsbrücke überlegen.

Was macht eine gute Eselsbrücke aus?

Einfach muss sie sein. Kurze Sätze vereinfachen das Lernen. Wörter, die man nicht nachschlagen muss. Insgesamt braucht eine Eselsbrücke nicht lang zu sein und wenn sie doch länger ist, dann eignet sich eine kurze Geschichte sehr gut. Achte darauf, deine eigene Sprache zu verwenden. Förmliche Sprache oder „Beamtendeutsch“ erschweren die Eselsbrücke.

Emotional darf sie sein. Es klingt verrückt, aber emotionale Eselsbrücken sind viel einfacher zu merken als rein sachliche Eselsbrücken. Meiner Lernpartnerin hat es in einer Eselsbrücke sehr viel Freude gemacht, mir einen Badmintonschläger auf den Kopf zu schlagen. Nur in der Vorstellung selbstverständlich. Aber bei dieser Lernkarte wusste sie immer die Antwort.

Anfangsbuchstaben: Ich verwende gerne die Anfangsbuchstaben von Kernwörtern. Besonders hilfreich ist das, wenn die Buchstaben auch ein eigenes Wort ergeben. Dann kann man im ersten Schritt das Wort lernen und in den Folgeschritten jeden einzelnen Buchstaben.

Bewegungen: Für manche Eselsbrücken eignet sich hervorragend eine Bewegung. Auch hier kann man erst die Bewegung lernen und verknüpft dann die Inhalte. Stell dir eine Lernkarte zu den Bewegungen von „Macarena“ vor. Das macht richtig Spaß. Und das sorgt auch in der Prüfung für gute Laune, denn plötzlich hat man einen tollen Ohrwurm.

Wo wir schon bei Musik sind. Wie sieht es denn bei dir mit Singen aus? „Alle meine Entchen“ oder „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ eigenen sich ebenso gut wie aktuelle Hits. Noch ein Vorteil: Immer, wenn das Lied im Radio läuft, fällt dir der Lernstoff ein. Als ich griechisch gelernt habe, habe ich einige Endungen mit Kinderliedern verknüpft. „Hopp, Hopp, Hopp, Pferdchen lauf Galopp“, lässt mich immer noch automatisch konjugieren. Das ist schon 22 Jahre her.

Geschichten erzählen: Ich liebe Geschichten. Schon immer. Und jeder, wirklich jeder Lernstoff ermöglicht eine Geschichte. Bei einer meiner Lernkarte haben sich Schachfiguren auf den Weg durch einen Sumpf und über einen Berg gemacht. Ich weiß nicht mehr worum es genau ging. Aber alle 7 Punkte der Lernkarte waren eine wesentliche Station dieser Figuren. Vor der Prüfung war dieser abenteuerliche Weg ganz schlüssig und gut zu merken.

Reimen: Nicht jeder Reim muss Sinn machen, wenn er dafür Spaß macht. Hier ist es absolut erlaubt, Grammatik und Worte und Reime so zu verändern, dass es passt. Gerade wenn man es passend machen muss, kann man es sich gut merken. Also keine Hemmungen. Das muss ja nicht für den nächsten Poetry Slam reichen.

Was ist das allerwichtigste bei einer Eselsbrücke?

Die Eselsbrücke muss zu dir (!) passen. Und das ist für jede*n unterschiedlich. Wie lautet diese eine Eselsbrücke, die wahrscheinlich jede*r außer mir kennt? Dings, Dings, drei – Rom schlüpft aus dem Ei. Das kann ich mir einfach nicht merken. Wenn du also eine Eselsbrücke ein paar Mal getestet hast und du kannst sie dir nicht merken, dann ändere sie einfach. Der Esel geht nur über die sichere Brücke. Und wenn deine Eselsbrücke keine solche „sichere Brücke“ ist, dann geht es einfach nicht. Das macht ja nichts, nimm dir einfach die Zeit für eine neue Brücke.

Und was ist das zweitwichtigste?

Eine Eselsbrücke soll Spaß machen! Je öfter du Eselsbrücke machst, desto einfallsreicher wirst du und desto mehr Spaß hast du. Spaß beim Lernen ist super. Und auch in der Prüfung stellt sich dann dieser Spaß und die entsprechende Leichtigkeit ein. Das ist Gold wert!

Übrigens: Eselsbrücken erstellen ist kein Prokrastinieren, also keine Ablenkung vom eigentlichen Lernen, sondern ein wichtiger Teil davon!

Lernen als Gewohnheit etablieren

Vielleicht hast du jetzt die Entscheidung getroffen: Lernen wird bei mir eine Gewohnheit. (Hast du schon den Beitrag „Wie Lernen zur Gewohnheit wird“ von letzter Woche gelesen? Wenn nicht, mach das unbedingt vor diesem Beitrag!)

Vielleicht hast du dir einen Plan gemacht, mit welchem Reiz und welcher Belohnung du das Lernen verknüpfen möchtest. Und vielleicht hast du schon angefangen, nach diesem Muster zu handeln.

Und dann kommt der Alltag. Vielleicht kommt dir ein oder zwei Mal etwas dazwischen oder du stellst am Abend fest, dass du es schlicht und einfach vergessen hast, nach deinem Vorsatz zu handeln.

Wie geht es dann weiter?

Tja, du wirst dich jetzt wahrscheinlich nicht so richtig wundern: Auch dein Handeln in dieser Situation ist reine … Gewohnheit.

Aus dieser Gewohnheit heraus denkst du dir: Dann klappt es wohl bei mir nicht und du beendest einfach deinen Plan, Lernen zur Gewohnheit zu machen. Oder du verdoppelst deine Anstrengungen. Oder du veränderst den Plan.

Ganz egal wie, du handelst in dem Fall einfach nach deiner Gewohnheit.

Es ist ganz normal, dass Gewohnheiten am Anfang instabil sind. Schließlich baust du sie ja gerade erst auf. Das lässt sich gut mit einem Trampelpfad vergleichen. Wenn du einen anderen Weg durch eine Wiese gehen möchtest, dann trittst du am Anfang das Gras platt und am Folgetag ist das nicht mehr zu sehen. Du hast das Gefühl, du fängst von vorne an. Und je öfter du diese Strecke gehst, desto mehr wird daraus ein Weg. Erst sieht man in Gras eine Laufspur. Dann ist das Gras ein bisschen plattgedrückt. Und je öfter du diesen Weg gehst, desto mehr wird es ein schöner Trampelpfad.

Nimm dir die Zeit und die Ruhe, das mit deinen neuen Lerngewohnheiten ebenso zu tun. Es kann nicht funktionieren, dass du einmal deine neue Gewohnheit anwendest und davon ausgehst, dass es ab jetzt immer und automatisch ablaufen wird. Es dauert seine Zeit und das ist in Ordnung so.

Wie kannst du es dir leichter machen?

Etabliere gleichzeitig zu deiner neuen Lerngewohnheit auch eine Gewohnheit, bei der sich alltägliche Gegenstände an einer anderen Stelle befinden. Du kannst deine Tassen in einen anderen Schrank stellen, die Zahnbürste oder Bürste auf die andere Seite des Waschbeckens legen oder die Socken in eine andere Schublade räumen.

Und jetzt beobachtest du, was mit den beiden neuen Gewohnheiten passiert.

So könnte es sein:

Tag 1: Ich greife auf die falsche Seite des Waschbeckens. Wo ist meine Bürste? Ich habe meine Bürste verloren.

Tag 2: Mist, ich wollte doch die Bürste immer auf die rechte Seite legen. Habe ich vergessen. Tag 3: Heute denke ich dran, heute denke ich dran, heute denke ich dran. Dran gedacht!

Tag 4: Hm, wo war die Bürste, ach ja.

Tag 5: Ich habe die Bürste schon wieder auf die falsche Seite gelegt.

Tag 6: Heute fasse ich gezielt auf die richtige Seite und greife nach der Bürste. Hat geklappt!

Und so weiter und so weiter. Das habe ich mit meiner Bürste übrigens tatsächlich so gemacht und es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis so etwas Einfaches automatisiert passiert.

Wenn du zeitgleich eine so einfache Veränderung anpasst und dazu deine Lerngewohnheit etablierst, dann ist es viel einfacher zu verstehen, warum die Lerngewohnheit noch nicht so gut funktioniert. Es ist viel einfacher, sich die Zeit zu nehmen, alles in Ruhe umzustellen. Und du gehst viel barmherziger und liebevoller mit dir selbst um.

Also, auf ein Neues.

Führe dir vor Augen, wie deine neue Lerngewohnheit aussieht. Wähle gleichzeitig eine ganz kleine zweite Veränderung und dann geht es von vorne los. Jeden Tag. Und irgendwann (nach ungefähr 3 Wochen) hast du das automatische Verhalten, das du dir gewünscht hast und alles wird einfacher.

Das lohnt sich wirklich! Denn je weniger Anstrengung es kostet mit dem Lernen zu beginnen, desto mehr Kapazitäten hast du für den Lernstoff. Und außerdem macht es auch viel mehr Spaß 😉

Wie Lernen zur Gewohnheit wird

Unser Leben ist von Gewohnheiten geprägt: Wie begrüße ich welche Menschen. Auf welche Art und Weise putze ich meine Zähne. Wie föhne und kämme ich meine Haare. Wie bereite ich mein Frühstück vor. Wie packe ich meine Sachen, wenn ich das Haus verlasse. Autofahren ist eine Gewohnheit, vor allem auf bekannten Strecken.

Es ist gut, dass wir diese Gewohnheiten haben, denn sie ersparen unserem Gehirn Kapazitäten. Die Gewohnheiten passieren wie nebenbei, ohne nachzudenken. Oft fällt es erst auf, wenn mal etwas anders ist. Wenn wir die Haarbürste an eine andere Stelle gelegt haben oder wir die Schränke neu sortiert haben und die Teetasse steht plötzlich an einem neuen Ort. Dann halten wir kurz inne, sind überrascht, bevor wir mit der neuen Situation umgehen können. Müssten wir über jede Tätigkeit nachdenken und uns jede Tätigkeit vor Augen führen, hätten wir so viel zu denken, dass wir keine Kapazitäten mehr hätten, um zum Beispiel ein Buch zu lesen.

Gewohnheiten sparen also Kapazitäten und sie sparen auch Zeit. Wenn ich jeden Morgen auf eine ähnliche Art und Weise frühstücke, muss ich nicht drüber nachdenken, was ich gerne essen würde und wie ich dieses Frühstück zubereite. Ich muss es nicht vergleichen mit dem Vortag und überlegen, was mir besser schmecken könnte.

Wie ist es jetzt mit dem Lernen? Ist es bei dir eine Gewohnheit?

Wann ist Lernen denn eine Gewohnheit?

Du lernst automatisch zu einer bestimmten Zeit und musst nicht mehr drüber nachdenken, wann du es einbauen kannst.

Du hast einen festen Platz an dem du lernst und muss nicht überlegen, wo du dich mit dem Lernstoff heute hinsetzt.

Wenn du an dem Platz deiner Wahl bist, kannst du zügig anfangen und verbringst nicht viel Zeit damit, dich abzulenken. Auch die Struktur von Lernen und Literaturrecherche gehören selbstverständlich zum Lernen. Ein Katzenvideo jedoch nicht, auch wenn in dem Video ein Buch vorkommt.

Und jetzt noch das Wichtigste: Du überlegst nicht, ob (!) du heute lernst, sondern tust es einfach.

Meine Gewohnheit sieht so aus: Ich gehe morgens ins Bad, in der Zeit kocht der Wasserkocher. Dann lüfte ich mein Lernzimmer und gieße den Tee auf. Mit der Tasse Tee gehe ich an den Schreibtisch und fange an zu lernen. Das klappt für mich wunderbar.

Warum klappt es so gut?

Jede Gewohnheit braucht einen Auslöser. Wenn man eine neue Gewohnheit etablieren will, ist es am einfachsten, wenn man sie mit einem bestehenden Reiz kombiniert. Auf den Reiz folgt die Tätigkeit, die zur Gewohnheit werden soll. Und zum Abschluss gibt es eine Belohnung. Diese drei Punkte sind ganz wichtig und machen Lernroutine sehr einfach.

An meinem Beispiel ist die Tasse Tee der auslösende Reiz. Ich trinke jeden Morgen meine Tasse Tee. Es gibt wenige Tage, an denen es nicht so ist. Eigentlich kann ich mich an keinen Tag erinnern, an dem ich keine Tasse Tee trinke. Dann kommt die Tätigkeit. Das ist das Lernen in den verschiedenen Facetten. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich Karteikarten lerne oder erstelle, Literatur lese oder verarbeite oder etwas recherchiere und übersetze. Im Anschluss kommt die Belohnung. Die wird oft unterschätzt. Was ist die Belohnung nach dem Lernen? Ich persönlich gehe mit dem Hund spazieren und freue mich über das, was ich geschafft habe, wie ich vorwärtsgekommen bin. Dabei ist es egal, ob ich 15 Seiten gelesen habe oder nur 3. Vorwärts ist schließlich vorwärts. Und wenn die 3 Seiten so aufwändig sind wie gestern die 15, dann ist für mich der Schritt gleich groß.

Wie kannst du jetzt eine eigene Gewohnheit entwickeln?

Entscheide dich für einen auslösenden Reiz. Das kann alles sein, was du regelmäßig tust: Nach der Arbeit 15 Minuten auf dem Sofa entspannen und dann geht es los. Wohnung staubsaugen und dann an den Schreibtisch. Mit dem Hund nach Hause kommen, Hund füttern und mit dem Lernen starten. Wichtig ist dabei, dass dich diese Tätigkeit keine Überwindung kostet. Im Gegenteil, diese Tätigkeit sollte schon ein automatischer Teil deines Lebens sein.

Dann kommt die Tätigkeit selbst, das Lernen.

Und zum Abschluss die Belohnung. Das kann der Kaffee zum Abschluss sein, die Runde durch den Garten. Du kannst dein Lesezeichen bewusst um die Seiten versetzen, die du bearbeitet hast oder in einer Liste eintragen, was du geschafft hast. Spüre dabei ganz bewusst deinen positiven Gefühlen nach.

Im Laufe der Zeit passiert etwas Großartiges: Der auslösende Reiz, bei mir die Tasse Tee, sorgt für Vorfreude auf die Belohnung und so wird die Tätigkeit dazwischen sehr einfach, denn die Belohnung ist ja schon garantiert.

Selbstverständlich funktioniert das auch mit Gewohnheiten, die einem das Leben nicht einfach machen. Wenn ich mich also jedes Mal mit einem tiefen Seufzen an den Schreibtisch setze und darüber nachdenke, dass jetzt die schlimmste Zeit des Tages kommt, dann sorge ich auch für eine Gewohnheit, allerdings für eine, die mir das Leben deutlich erschwert.

Es lohnt sich wirklich sehr, eine positive Gewohnheit zu etablieren. So geht das Lernen leicht und macht oft ziemlich große Freude und kostet deutlich weniger Kapazitäten, als wenn ich mich jedes Mal neu aufraffen muss. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Warum nicht einfach mal Angst haben?

Als Kind war ich gerne in der Geisterbahn. Wie unheimlich! Man wusste nie, hinter welche Ecke sich etwas bewegt, etwas herunterfällt oder etwas plötzlich Geräusche macht. Wow! Was für ein tolles Gefühl. Ein bisschen Angst haben und feststellen, dass man es schafft und es sich richtig gut anfühlt.

Oder der Sprungturm im Freibad. Erster Sprung vom 1-Meter-Brett. Das ist leicht. Dann rauf auf den Dreier. Ein zweiter Sprung mit Anlauf. Ein dritter Sprung, bei dem vorne auf dem Brett so richtig hoch gefedert wurde. Und dann der 5-Meter-Turm. Oder doch nicht? Mann, ist das hoch! Aber die Treppe ist auch keine gute Alternative. Dann schnell runter. – Hat geklappt. War gar nicht schlimm.

Mir fallen ganz viele Situationen ein, wo ich als Kind Angst hatte und es dann doch irgendwann gemacht habe. Manche Sachen nicht direkt. Der 5-Meter-Turm hat bei mir recht lange gedauert. Und danach kam meistens die Erfahrung: War gar nicht schlimm. Manche Dinge musste ich jetzt auch nicht ewig oft wiederholen. Aber schlimm war es wirklich nie, ganz egal ob es die hohe, steile Rutsche war, eine besondere Schaukel, ein Gedicht aufsagen, Klavier spielen vor Publikum, die schwarze, dunkle Rutsche im Schwimmbad, der große Hund, der wirklich so lieb war, wie Herrchen gesagt hat.

Und dann hat es aufgehört. Ich weiß nicht genau, wann oder womit es aufgehört hat. Aber ich habe aufgehört, Dinge auszuprobieren, die mir Angst machen. Und damit habe ich auch aufgehört die Erfahrung zu machen, dass ich es kann und dass es gar nicht schlimm ist. In vielen Fällen ist es sogar nicht nur nicht schlimm, sondern macht richtig Spaß!

Damit fallen viele Dinge weg.

Das habe ich gemerkt, als ich mit meiner Familie in einem Spiel- und Freizeitpark war. Wenn ich nur die Spielgeräte benutze, die in meiner Komfortzone liegen, bleibt nicht viel übrig. Und das, was ich dann tue, ist „nett“. Ja, also nett war es schon. Aber ein Highlight war es oft nicht. Die normale Schaukel statt der Schaukel über die Schlucht ist halt wirklich nur „nett“.

Dann habe ich mich von meiner Nichte und meinem Neffen anstecken lassen und habe Spielgeräte ausprobiert. Meine Güte! Da hatte ich so richtig Angst! So richtig! Eine Rutsche, die so steil war, dass meine Füße unendlich viel tiefer waren als mein Kopf. Wie soll ich das nur überstehen? Gar kein Problem. Hat sogar Spaß gemacht! Die Achterbahn (für Kinder ab 4 Jahren – ja, das ist mir peinlich!) hat gekribbelt und ich habe mich lebendig gefühlt. Die Rutsche mit den Reifen, wo man nicht sehen kann, was kommt. Der aufgepustete Eisberg, den man barfuß erklimmen muss und wo man doch immer wieder abrutscht.

Hatte ich bei den Aktivitäten Angst? Oh ja! Meine Nichte und mein Neffe, damals 11 und 8 Jahre, haben mich unterstützt und mir richtig viel Mut gemacht. Es war mir deutlich anzusehen, dass ich mich schrecklich fürchte.

Und danach? Noch Mal! Nicht bei allem natürlich. Aber viele Dinge haben richtig viel Spaß gemacht, haben gekribbelt und sich gut angefühlt. War nicht schlimm. Ich kann das. Dann kann ich noch viel mehr!

Es ist so schade, dass wir aufhören, Dinge auszuprobieren und dass wir keine Grenzen mehr hinterfragen. So ging es mir zumindest. Und das gilt nicht nur für Spielgeräte. Das gilt auch fürs Lernen und Prüfungen, Veranstaltungen zu besuchen oder zu leiten, vor Menschen zu sprechen oder zu schweigen, uns zu zeigen wie wir sind. Es gilt für den ersten Urlaub alleine oder die Flugreise, Menschen kennenzulernen und mal ganz alleine zu sein. Ach, es gilt für unendlich viele Dinge und ich will noch ganz viel ausprobieren, von dem ich jetzt noch gar nicht weiß, dass es für mich in Frage kommt.

Ist die Angst schlimm?

Unangenehm ist die Angst schon. Wer mag sich schon so eng fühlen mit angespannten Muskeln und merkwürdigen Gefühlen im Magen-Darm? Das Lieblingsgefühl ist es definitiv nicht. Aber danach ist der Hammer! Es fühlt sich so frei an, so weit und offen und begeistert.

Und wenn ich dieses kann, dann kann ich noch viel mehr! Das gilt für alles!

Wenn ich diese Rutsche herunterrutschen kann, dann kann ich auch die Klausur schaffen. Wenn ich die Klausur schaffe, dann schaffe ich auch die mündliche Prüfung. Wenn ich die mündliche Prüfung schaffe, dann kann ich auch mein Gehalt verhandeln. Und so weiter und so weiter!

Also: Lasst uns mehr Angst haben und tolle Dinge erleben!

Ich denke, also bin ich … nicht in Trance

Wir denken den ganzen Tag. Sinnvolle Gedanken. Sinnlose Gedanken. Wir hängen Gedanken nach. Es kommen Gedankenblitze. Selbst wenn ich sage, dass ich „nichts“ denke, habe ich irgendwie dann ja doch dran gedacht.

Die Erwartungen an eine Hypnose sind anders. Verschiedene Filme sorgen dafür, dass man sich die Hypnose spektakulär vorstellt. Ein ganz besonderer, anderer Zustand, vielleicht als würde man schweben. Aber nein, das ist nicht so.

Hypnose ist ganz unspektakulär. Dabei ist es besonders überraschend, dass man in der Trance ganz normal seinen Gedanken nachhängt. Das kann die Einkaufsliste sein oder die Planung für die Zeit nach der Hypnose. Alles, was man sonst auch so denkt. Und zu den gewohnten Gedanken kommt ein weiterer Gedanke dazu: „Bin ich überhaupt in Trance? Ich habe es mir ganz anders vorgestellt.“

Die größte Überraschung ist, dass man in der Trance tatsächlich denken kann.

Wie kommt das nun?

Wenn wir uns unterhalten oder unsere Einkaufslist planen, passiert das auf der Ebene des Bewusstseins. Da läuft alles ab, was mit Denken und Planen zu tun hat. Auf dieser Ebene befindet sich das Kurzzeitgedächtnis.

In der Hypnose arbeiten wir mit dem Unterbewusstsein. Da ist unser Langzeitgedächtnis abgespeichert. Und es ist unglaublich, wieviele Informationen sich dort befinden. Natürlich erinnern wir uns nicht ständig daran, denn erinnern würde auf der Ebene des Bewusstseins passieren. Das Bewusstsein wäre total überlastet, wenn es sich an jede Kleinigkeit erinnern müsste. Wir kämen zu nichts mehr, wenn es nicht diese Unterscheidung gäbe.

Auf der Ebene des Unterbewusstseins laufen auch unsere Gefühle ab. Kennst du das? Ganz plötzlich kommt ein Gefühl und du weißt überhaupt nicht, warum du dich jetzt genau so fühlst? Das zeigt wieder die Unterscheidung. Das Unterbewusstsein hat etwas wahrgenommen, was es kennt. Vielleicht hat es im Supermarkt ein Lied gehört. Dieses Lied ist verknüpft mit einem Gefühl, zum Beispiel dem ersten Liebeskummer. Also löst das Unterbewusstsein das Gefühl aus und das Bewusstsein kann nicht erfassen, was gerade passiert ist. Das passiert ständig.

In der Hypnose arbeiten wir also mit dem Unterbewusstsein. ABER: Wir schalten das Bewusstsein nicht aus. Und das sorgt dafür, dass wir trotzdem an die Einkaufsliste denken können.

Das erklärt auch, warum man sich nach der Hypnose an alles erinnern kann. Das Bewusstsein merkt es sich einfach. Im Unterbewusstsein ist es sowieso abgespeichert.

Kann man sich wirklich an alles erinnern?

Das kommt drauf an 😉

Wenn man in der Hypnose einschläft, ruht das Bewusstsein und kann sich nicht erinnern. Dann fehlen auch die Erinnerungen an die eigentliche Hypnose.

Und es gibt noch einen zweiten Grund. Stell dir vor, du telefonierst mit einer Freundin und dieses Telefonat dauert 2 Stunden. Kannst du dich nach dem Telefonat an alles erinnern? So ist es mit der Hypnose aus. Du hast keinen Filmriss und es sind auch keine Erinnerungen im Nebel. Und trotzdem kann man sich über eine längere Zeit nicht an jedes Wort erinnern. Das liegt daran, dass das Bewusstsein nicht die Kapazität hat, sich alles zu merken.

Mit diesen beiden Einschränkungen gilt also: Ja, du kannst dich an alles erinnern!

Wie stehst du emotional zu deinem Lernstoff?

Wenn du deine Liste mit dem Lernstoff anschaust, was geht dir dann durch den Kopf? „Unnützes Zeug.“ „Das braucht man nie wieder.“ „Was für eine Quälerei.“ „Viel zu viele Kleinigkeiten.“ Oder eher: „Wie spannend.“ „Was da wohl drinsteht?“ „Das kann ich danach direkt benutzen.“

Schon beim Lesen merkt man, dass es ganz unterschiedliche Gefühle auslöst. Genervtheit, Vorfreude, Respekt vor der Menge des Lernstoffs.

Diese unterschiedlichen Gefühle beeinflussen, wie du dir den Lernstoff merken kannst. Und je positiver du zu deinem Lernstoff stehst, desto leichter wird es.

Das lässt sich gut mit einer Verabredung vergleichen. Du triffst dich mit deiner besten Freundin und bist ganz entspannt und vielleicht voller Vorfreude, weil sie dir schon mal ein Foto von einer Waffel mit Kirschen geschickt hast. Oder aber du triffst eine schwierige Bekannte, die in ihrer Nachricht geschrieben hat, dass sie unbedingt über ihre üblichen Probleme reden möchte. Bei der Verabredung ist es ganz klar, wo man leichter und entspannter hinfährt. Und es ist klar, wo man sich wohler fühlt. Interessanterweise merkt man sich bei den schönen Treffen auch mehr. Negative oder neutrale Treffen hinterlassen nicht so einen Eindruck, außer es gibt so starke „Klopper“, die man einfach nicht vergessen kann.

Beim Lernen ist es genauso. Lockt dich der Lernstoff, weil du ihn direkt anwenden kannst, weil er für dich hochspannend ist, dann fällt dir es dir leicht, dich an den Schreibtisch zu setzen. Es ist deutlich einfacher, dir die Dinge zu merken. Arbeitest du den Lernstoff nur mühselig ab, bleibt fast nichts hängen und alles ist zäh und träge.

Damit liegt der Tipp schon nahe: Sorge dafür, dass du deinen Lernstoff leiden kannst.

Na, was macht dieser Satz? Ja, es ist tatsächlich eine Herausforderung. Das ist mir klar. Und es lohnt sich doch!

Also schau dir noch mal alles genau an. Was kann daran positiv sein? Kannst du davon etwas für dein eigenes Leben anwenden? Hat es schon mal eine Rolle für dich gespielt? Hätte dieses Wissen dir früher schon mal eine Situation erleichtert? Kannst du damit jemandem eine Antwort geben, die er oder sie unbedingt braucht?

Natürlich hängt es vom Lernstoff ab. Ich persönlich hatte großen Respekt vor der Biologischen Psychologie. Bio war noch nie meine Stärke und ich habe dieses Fach so lange geschoben wie es möglich war. Aber natürlich kam es dann doch. Hat mir jede Lerneinheit Spaß gemacht? Natürlich nicht! Ich habe geschimpft und mir die Haare gerauft. Ich habe bestimmte Textstellen 8 Mal gelesen und sie immer noch nicht verstanden. Und je mehr ich verstanden habe, desto mehr passte es in mein Leben. Ich habe auch Gefühle, die von genau den Hormonen beeinflusst werden. Bei mir sind genau die Prozesse im Körper abgelaufen, wie beschrieben. Und so hat es sich immer mehr eingefügt. Das Ergebnis der Klausur hat mich übrigens positiv überrascht  Und wollte ich in diesem Bereich meine Bachelorarbeit schreiben? Natürlich nicht! Und das muss ja auch nicht sein. Da suche ich mir ein Fachgebiet, wo es direkt kribbelt und Freude macht.

Die Einstellung zum Lernstoff ist wichtig. Je positiver sie ist, desto leichter fällt das Lernen und vor allem fällt es dann leichter, sich erneut an den Schreibtisch zu setzen.

Suche Beispiele in deinem Leben bis du das Thema wirklich in deinen Alltag integriert hast. Auch wenn es erst mal absurd klingt. Geometrische Berechnungen eines Nutellabrots zum Beispiel. Je näher es dir ist, desto leichter und desto länger bleibt es hängen.

Ich bin so gespannt, was du für Beispiele in deinem Alltag findest. Auch das wird übrigens mit der Zeit immer leichter. Das Gehirn sucht sich im Laufe der Zeit wie von selbst solche Verknüpfungen.

Ich will nicht in Trance – Dann halt nicht

Eine der größten Ängste bei Hypnose ist der Kontrollverlust. Die Angst, nicht mehr selbst zu entscheiden, was mit mir passiert. Möglicherweise nicht mehr eingreifen zu können. Oft wird das Wort „ausgeliefert“ gewählt, um die Angst zu benennen.

Diese Vorstellung klingt wirklich nicht reizvoll. Und wenn dann noch die Überlegung dazukommt, ob man sich wirklich an alles in der Hypnose erinnert, dann ist das Horrorszenario perfekt. Ich bin ganz sicher, dass es genau solche Filme gibt, allerdings finde ich sie so unheimlich, dass ich sie mir nicht anschauen. Im realen Leben will so etwas garantiert niemand erleben.

Was für ein Glück, dass Hypnose nicht annähernd so ist.

Fangen wir ganz vorne an: Wenn du nicht in die Trance willst, dann gehst du nicht. Es ist ganz egal wie viel ich rede und dir Suggestionen gebe, wenn du nicht willst, passiert es auch nicht. Du ganz allein entscheidest, ob man dich hypnotisieren kann oder auch nicht. Im Gegenzug gilt: je mehr du in die Trance möchtest, desto leichter gehst du auch. So war das bei meiner ersten Hypnose. Da war ich beim Zahnarzt und ich wollte auf jeden Fall in die Trance und ich wollte auf keinen Fall während der Zahnarztbehandlung da wieder raus. Das hat wunderbar geklappt. Ich bin stattdessen am Strand spazieren gegangen und habe mit den Füßen im Wasser geplanscht. Ganz egal was du entscheidest, es wird genau so werden. Entweder sehr leicht oder es geht gar nicht oder etwas dazwischen.

Auch bei der eigentlichen Hypnose entscheidest du ganz alleine. Als Hypnotisieurin kann ich keine Geheimnisse aus dem Leben sehen, als hätte ich einen Fernseher angemacht. Ich sehe auch nicht dein Unterbewusstsein. Genaugenommen sehe ich gar nichts. Das einzige was ich tun kann, ist dich anleiten hinzuschauen. Und es liegt bei dir, ob du das willst oder nicht. In Hypnose kann man übrigens lügen. Wenn du also etwas siehst, musst du es nicht sagen oder kannst es auch verändern. Deshalb wird Hypnose auch nicht zur Verbrechensaufdeckung genommen.

Als Hypnotiseurin bin ich wie dein Navi. Wir haben im Vorgespräch das Ziel abgesprochen und im Laufe des Prozesses leite ich dich. Wenn du merkst, dass eine andere Richtung besser für dich ist, dann nimmst du natürlich die. Mit dem Auto würdest du auch nicht an dem Traumparkplatz vorbeifahren, nur weil dein Navi sagt „In 100 Metern haben Sie Ihr Ziel erreicht.“ Du würdest wissen, dass dieser Parkplatz eine gute Möglichkeit ist und dein Auto wunderbar hineinpasst. Du würdest blinken und einfach einparken. Da beschwert sich das Navi nicht und es blockiert auch nicht deine Lenkung oder verschließt die Autotüren. Diese Befugnis hat ein Navi nicht. Und eine Hypnotiseurin hat ebenfalls nicht die Möglichkeit dich zu etwas zu zwingen oder zu überrollen. 

Kann ich jederzeit raus aus der Hypnose?

Ja. Wenn du einen Impuls bekommst, kannst du jederzeit raus aus der Trance. Wenn der Feuermelder losgeht oder du Angst bekommst oder keine Lust mehr hast, in jedem Fall kannst du raus aus der Trance. Angenehmer ist es, das zu besprechen und dann langsam aus der Trance zu kommen. Damit fühlt man sich einfacher wohler, nicht so erschrocken. Aber möglich ist es in jedem Moment.

Kann ich mich an alles erinnern?

Das hängt an deinem Gedächtnis. Eigentlich kannst du dich an alles erinnern. Es gibt keine Momente, die verschwimmen oder wie ein Filmriss einfach verschwinden. Allerdings kann es sein, dass du dich nicht an jede Formulierung erinnerst oder Teile des Gesprächs vergisst, die für dich nicht so wichtig sind. Das ist wie bei einem Telefonat. Natürlich bekommt man alles mit, aber wenn der Partner wissen will, ob Tante Käthe sich das rechte oder das linke Bein gebrochen hat und welche Farbe die Gipsschiene hat, dann lässt einen das Gedächtnis schon mal im Stich. Genauso ist es bei Hypnose auch. Manche Formulierungen vergisst man einfach oder bringt durcheinander, was zuerst und was im Anschluss passiert ist. Das ist jedoch weit weg von Kontrollverlust. Du hast jederzeit die Kontrolle darüber, was du dir merkst und was dir wichtig ist.

Gibt es etwas, was man in der Hypnose wirklich nicht kontrollieren kann?

Ich persönlich liebe es sehr, die Kontrolle über meine Muskeln abzugeben. Auch das ist eine Entscheidung. In der Trance kann man sich jederzeit anders hinsetzen oder aufrichten oder an der Nase kratzen. Es fühlt sich allerdings wundervoll an, die Muskelspannung einfach nicht zu kontrollieren. Manchmal fühlen sich dann die Arme und Beine ganz schwer an, als würden sie tief in den Sessel sinken. An anderen Tagen ist alles ganz leicht, als würde ich gleich schweben – nur kurz als Info: Nein, man kann auch in der Hypnose nicht schweben, es fühlt sich höchstens so an. Und manchmal spüre ich meinen Körper gar nicht mehr. Das ist nach manchen Arbeitstagen einfach ein großartiges Gefühl. Und auch bei meiner Hypnose beim Zahnarzt fühlte es sich großartig an, den Körper nicht zu fühlen, schließlich wurde da gebohrt.

Also, es ist deine Entscheidung. Alles an der Hypnose ist ganz alleine deine Entscheidung. Und wenn du Fragen hast, die dir die Entscheidung vereinfachen, dann melde dich einfach bei mir.

Eben konnte ich das noch!

Hast du das auch schon mal erlebt?

Ich sitze am Schreibtisch und lerne meinen Lernstoff. Ich wiederhole ihn, überlege mir eine Eselsbrücke und ganz plötzlich kann ich mich an alles erinnern. Der Lernstoff sitzt.

Am Folgetag wiederhole ich den Lernprozess und stelle fest: Yeah! Der Lernstoff sitzt. Die Arbeit und Mühe haben sich gelohnt.

Ganz begeistert erzähle ich einer Freundin beim Kaffeetrinken davon. Und weil ich meine eigene Eselsbrücke so gut finde, will ich ihr diese auch direkt erzählen. Außerdem kann ich direkt zeigen, dass ich den Lernstoff wirklich gelernt habe. Also fange voller Euphorie an, beginne mit der Eselsbrücke und … nichts. Die Eselsbrücke fällt mir nicht ein. Macht ja nichts, dann fasse ich ihr nur den Lernfortschritt zusammen. Aber auch der lässt sich einfach nicht abrufen. Mein Gehirn ist leer. Es fühlt sich an, als hätte ich mich noch niemals mit diesem Lernstoff beschäftigt. Keine Frage, was das mit der Motivation macht: sie geht ziemlich schnell in den Keller. Die Gedanken, die sich einstellen, sind ebenfalls nicht sehr erbaulich: „Das hat sich nicht gelohnt.“ „Ich bin zu dumm um den Lernstoff zu lernen.“ „Wie soll das dann in der Prüfung werden?“

Nach diesem Erlebnis im Cafe und diesen Gedanken ist es richtig schwer, sich erneut an den Schreibtisch zu setzen und motiviert weiter zu lernen. Und die Prüfungsangst wird wieder stärker.

Wie kommt das und vor allem: Was hilft dagegen?

Das Gehirn liebt Gewohnheit! Auf Veränderungen reagiert es sehr unflexibel. Wenn ich also meinen Lernstoff am Schreibtisch lerne und am Schreitisch wiederhole, dann denkt das Gehirn, der Schreibtisch ist ein wichtiger Teil davon. Das ist natürlich Unsinn. Aber wenn jetzt der Schreibtisch fehlt, dann hat das Gehirn nicht die richtigen Reize, um auf das Wissen zuzugreifen. Es ist also ganz normal, dass die Eselsbrücke vom Schreibtisch im Cafe nicht funktioniert. Das liegt nicht an mir, das liegt auch nicht an dir. Das ist einfach so.

Jetzt brauchen wir aber das Wissen nicht nur zu Hause am Schreibtisch, denn der Ort der Prüfung ist in der Regel ein anderer. Wie kommt also das Wissen vom Schreibtisch an den Prüfungsort? Durch kleine Veränderungen und geplante Rückschritte.

Ich lerne also meinen Lernstoff am Schreibtisch und das klappt super. Dann kommt die erste Veränderung. Ich wechsle zu Hause den Ort und wiederhole den Lernstoff auf dem Sofa. Danach am Küchentisch. Anschließend auf dem Balkon. Mach so viele Schritte, wie du brauchst. Es wird mit der Zeit einfacher. Am Anfang braucht das Gehirn vielleicht viele kleine Schritte. Nach dem Balkon geht es zu einem Spaziergang. Dabei ist es wichtig, den Lernstoff dabei zu haben, denn durch den Ortswechsel lässt er sich ja nicht perfekt abrufen. Ich bin schon ziemlich oft murmelnd spazieren gegangen und hatte eine Karteikarte in der Hand. Manchmal fröhlich grinsend und manchmal habe ich verärgert aufgestampft, weil es schon wieder nicht ging. Alles ganz normal.

Der Ort lässt sich nach Belieben ändern. Bus und Bahn sind eine gute Möglichkeit. Im Cafe bevor der Kuchen gebracht wird. Auf einer Parkbank. Bei Freunden in der Wohnung, während man auf deren Hund aufpasst. Eigentlich lässt sich fast jede Möglichkeit nutzen.

Auch eine veränderte Körperhaltung ist wichtig. Am Schreibtisch lerne ich im Sitzen, auf dem Sofa im Liegen und beim Spaziergang gehe ich.

Durch diese Wechsel wird das Gehirn flexibler und mit der Zeit werden immer weniger Wechsel nötig. Auch wenn man nicht im Prüfungsraum lernt, kann es da das Wissen abrufen, denn es ist an kein bestimmtes Setting mehr gebunden. Das einzige was immer gleich ist, ist das Lernen. Der Rest verändert sich. Das merkt sich das Gehirn.

Ich habe bestimmte Orte, wo mir das Gelernte einfällt. Bei einem bestimmten Spaziergang denke ich an Onkel Ottos Eselsbrücke. Auf einem bestimmten Abschnitt der Autobahn denke ich an Entwicklung im Kindesalter, weil ich das entsprechende Hörbuch da gehört habe. Es ist faszinierend, wenn man das beobachtet.

Also, raus mit dir und deinem Lernstoff. Ich bin gespannt, was du erlebst. Auf jeden Fall wird es so viel einfacher werden.

Was für Fragen stellst du dir vor der Prüfung?

Direkt vor einer Klassenarbeit in der Schule ging immer das „Geschnatter“ los. Kennst du das auch? Die tausend Fragen, weil alle so nervös sind: Hast du das und das gelernt? Meinst du das und das kommt dran? Hast du den Ablauf ganz genau gelernt oder nur grob? Das kann ich noch nicht, fragst du mich das schnell ab? Wie hieß dieses eine Wort noch mal, ich komme da gerade nicht drauf?

Puh! Wenn ich nur dran denke werde ich müde und gleichzeitig hektisch. Schon damals wusste ich, dass mir das nicht guttut. Egal wie die Antwort auf diese Fragen lautet, es lässt sich bis zur Klassenarbeit oder Prüfung einfach nicht mehr machen.

Stell dir also das Gespräch einmal ausführlich vor: „Hast du das und das gelernt?“ „Ja, denn ich bin ganz sicher, dass es heute abgefragt wird.“

„Hast du den Ablauf ganz genau gelernt oder nur grob?“ „Ich habe ihn grob gelernt, so stand es im Lernplan.“

Diese Gespräche ändern einfach nichts mehr, der Zeitraum ist zu kurz.

Und letzten Endes ist es auch gar nicht das, was mein Gegenüber meint. Die wahrhaftige Frage hinter dem „Geschnatter“ müsste eigentlich so gestellt werden: „Ich bin so aufgeregt und habe große Angst, dass ich die Prüfung nicht schaffe. Kannst du mir Halt geben?“ Und weil jede*r auf das „Geschnatter“ antwortet, bleiben Aufregung und Unsicherheit so groß. Die Antwort auf die eigentliche Frage wurde schließlich nicht gegeben.

Wenn meine Aufregung groß war, ist sie mir auf den Körper geschlagen. Ich hatte Nackenschmerzen und von da aus zogen dann die Kopfschmerzen hoch in den Kopf. Sehr unangenehm. Dann habe ich angefangen, meine Angst zu äußern. Ich habe einfach alle Menschen vollgequatscht, wie aufgeregt ich bin. Dass ich Angst habe, durchzufallen. Dass mir die Stimme wegbleibt, mir nichts einfällt, alles ganz schlimm wird.

Das war mein erster persönlicher Durchbruch, denn damit blieben meine Nackenschmerzen aus.

Wenn ich zurückblicke, ist es auch ganz klar: Dadurch, dass ich meine Angst benenne, muss sie nicht in meinem Körper steckenbleiben. Sie kann einfach raus. Mein Umfeld hat mich damit als viel nervöser erlebt. Das stimmt aber nicht. Die Angst oder Nervosität zeigt sich nur anders. Sie kreist nicht mehr in mir drin und macht mir Nackenschmerzen, sondern sie geht nach außen. Damit habe ich den ersten Satz der wahrhaftigen Frage ernst genommen:

„Ich bin so aufgeregt und habe große Angst, dass ich die Prüfung nicht schaffe. Kannst du mir Halt geben?“

Und der zweite Teil ist genauso wichtig: „Kannst du mir Halt geben?“ Natürlich klingt die Frage so ziemlich sperrig. Deshalb übersetze ich sie mal in Alltagsdeutsch. Du kannst dein Umfeld fragen: „Warum meinst du, kann ich meine Prüfung bestehen?“ Und dir selbst kannst du diese Frage auch stellen. Und diese Antworten sind richtig wertvoll.

„Weil du bis jetzt jede Prüfung bestanden hast.“ „Weil du gut vorbereitet bist.“ „Weil dich das Thema interessiert.“ „Weil ich dich abgefragt habe und weiß, dass du den Lernstoff beherrschst.“ Diese Antworten geben Halt. Diese Antworten erinnern dich an deine eigenen Stärken.

Diese Frage und die entsprechenden Antworten stärken dich ungemein für eine Prüfung. Du fokussierst dich ungemein auf das Wesentliche: Deine Angst und deine Stärken.

Und wie ist das jetzt mit dem Geschnatter? Haben solche Fragen keine Berechtigung? Oh doch! Aber nicht in den letzten zehn Minuten vor der Prüfung. Ein oder zwei Wochen vor der Prüfung können solche Fragen durchaus Sinn machen. So kann man gut überprüfen, dass man auch wirklich den richtigen Lernstoff lernt. Und mit dem richtigen Lernstoff und den Antworten, die dir Halt geben, kannst du gestärkt in die Prüfung gehen und dann ist sie auch ganz schnell vorbei.

Meine erste Hypnose – beim Zahnarzt

Ich habe schon viele Jahr Angst vor Zahnarztbesuchen. So richtig Angst! Ich bin viele Jahre gar nicht hingegangen. Und wenn ich doch mal hin musste war es immer schrecklich.

Dann stand wieder ein Termin an und es ergab sich ein unglaublicher Zufall oder besser eine unglaubliche Fügung: Eine Zahnärztin suchte jemanden zum Hypnotisieren. Das war eine großartige Möglichkeit, die ich sofort annahm.

Im Video erfährst du, wie es mir damit ergangen ist: