Wie Lernen zur Gewohnheit wird

Unser Leben ist von Gewohnheiten geprägt: Wie begrüße ich welche Menschen. Auf welche Art und Weise putze ich meine Zähne. Wie föhne und kämme ich meine Haare. Wie bereite ich mein Frühstück vor. Wie packe ich meine Sachen, wenn ich das Haus verlasse. Autofahren ist eine Gewohnheit, vor allem auf bekannten Strecken.

Es ist gut, dass wir diese Gewohnheiten haben, denn sie ersparen unserem Gehirn Kapazitäten. Die Gewohnheiten passieren wie nebenbei, ohne nachzudenken. Oft fällt es erst auf, wenn mal etwas anders ist. Wenn wir die Haarbürste an eine andere Stelle gelegt haben oder wir die Schränke neu sortiert haben und die Teetasse steht plötzlich an einem neuen Ort. Dann halten wir kurz inne, sind überrascht, bevor wir mit der neuen Situation umgehen können. Müssten wir über jede Tätigkeit nachdenken und uns jede Tätigkeit vor Augen führen, hätten wir so viel zu denken, dass wir keine Kapazitäten mehr hätten, um zum Beispiel ein Buch zu lesen.

Gewohnheiten sparen also Kapazitäten und sie sparen auch Zeit. Wenn ich jeden Morgen auf eine ähnliche Art und Weise frühstücke, muss ich nicht drüber nachdenken, was ich gerne essen würde und wie ich dieses Frühstück zubereite. Ich muss es nicht vergleichen mit dem Vortag und überlegen, was mir besser schmecken könnte.

Wie ist es jetzt mit dem Lernen? Ist es bei dir eine Gewohnheit?

Wann ist Lernen denn eine Gewohnheit?

Du lernst automatisch zu einer bestimmten Zeit und musst nicht mehr drüber nachdenken, wann du es einbauen kannst.

Du hast einen festen Platz an dem du lernst und muss nicht überlegen, wo du dich mit dem Lernstoff heute hinsetzt.

Wenn du an dem Platz deiner Wahl bist, kannst du zügig anfangen und verbringst nicht viel Zeit damit, dich abzulenken. Auch die Struktur von Lernen und Literaturrecherche gehören selbstverständlich zum Lernen. Ein Katzenvideo jedoch nicht, auch wenn in dem Video ein Buch vorkommt.

Und jetzt noch das Wichtigste: Du überlegst nicht, ob (!) du heute lernst, sondern tust es einfach.

Meine Gewohnheit sieht so aus: Ich gehe morgens ins Bad, in der Zeit kocht der Wasserkocher. Dann lüfte ich mein Lernzimmer und gieße den Tee auf. Mit der Tasse Tee gehe ich an den Schreibtisch und fange an zu lernen. Das klappt für mich wunderbar.

Warum klappt es so gut?

Jede Gewohnheit braucht einen Auslöser. Wenn man eine neue Gewohnheit etablieren will, ist es am einfachsten, wenn man sie mit einem bestehenden Reiz kombiniert. Auf den Reiz folgt die Tätigkeit, die zur Gewohnheit werden soll. Und zum Abschluss gibt es eine Belohnung. Diese drei Punkte sind ganz wichtig und machen Lernroutine sehr einfach.

An meinem Beispiel ist die Tasse Tee der auslösende Reiz. Ich trinke jeden Morgen meine Tasse Tee. Es gibt wenige Tage, an denen es nicht so ist. Eigentlich kann ich mich an keinen Tag erinnern, an dem ich keine Tasse Tee trinke. Dann kommt die Tätigkeit. Das ist das Lernen in den verschiedenen Facetten. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich Karteikarten lerne oder erstelle, Literatur lese oder verarbeite oder etwas recherchiere und übersetze. Im Anschluss kommt die Belohnung. Die wird oft unterschätzt. Was ist die Belohnung nach dem Lernen? Ich persönlich gehe mit dem Hund spazieren und freue mich über das, was ich geschafft habe, wie ich vorwärtsgekommen bin. Dabei ist es egal, ob ich 15 Seiten gelesen habe oder nur 3. Vorwärts ist schließlich vorwärts. Und wenn die 3 Seiten so aufwändig sind wie gestern die 15, dann ist für mich der Schritt gleich groß.

Wie kannst du jetzt eine eigene Gewohnheit entwickeln?

Entscheide dich für einen auslösenden Reiz. Das kann alles sein, was du regelmäßig tust: Nach der Arbeit 15 Minuten auf dem Sofa entspannen und dann geht es los. Wohnung staubsaugen und dann an den Schreibtisch. Mit dem Hund nach Hause kommen, Hund füttern und mit dem Lernen starten. Wichtig ist dabei, dass dich diese Tätigkeit keine Überwindung kostet. Im Gegenteil, diese Tätigkeit sollte schon ein automatischer Teil deines Lebens sein.

Dann kommt die Tätigkeit selbst, das Lernen.

Und zum Abschluss die Belohnung. Das kann der Kaffee zum Abschluss sein, die Runde durch den Garten. Du kannst dein Lesezeichen bewusst um die Seiten versetzen, die du bearbeitet hast oder in einer Liste eintragen, was du geschafft hast. Spüre dabei ganz bewusst deinen positiven Gefühlen nach.

Im Laufe der Zeit passiert etwas Großartiges: Der auslösende Reiz, bei mir die Tasse Tee, sorgt für Vorfreude auf die Belohnung und so wird die Tätigkeit dazwischen sehr einfach, denn die Belohnung ist ja schon garantiert.

Selbstverständlich funktioniert das auch mit Gewohnheiten, die einem das Leben nicht einfach machen. Wenn ich mich also jedes Mal mit einem tiefen Seufzen an den Schreibtisch setze und darüber nachdenke, dass jetzt die schlimmste Zeit des Tages kommt, dann sorge ich auch für eine Gewohnheit, allerdings für eine, die mir das Leben deutlich erschwert.

Es lohnt sich wirklich sehr, eine positive Gewohnheit zu etablieren. So geht das Lernen leicht und macht oft ziemlich große Freude und kostet deutlich weniger Kapazitäten, als wenn ich mich jedes Mal neu aufraffen muss. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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