Lernen als Gewohnheit etablieren

Vielleicht hast du jetzt die Entscheidung getroffen: Lernen wird bei mir eine Gewohnheit. (Hast du schon den Beitrag „Wie Lernen zur Gewohnheit wird“ von letzter Woche gelesen? Wenn nicht, mach das unbedingt vor diesem Beitrag!)

Vielleicht hast du dir einen Plan gemacht, mit welchem Reiz und welcher Belohnung du das Lernen verknüpfen möchtest. Und vielleicht hast du schon angefangen, nach diesem Muster zu handeln.

Und dann kommt der Alltag. Vielleicht kommt dir ein oder zwei Mal etwas dazwischen oder du stellst am Abend fest, dass du es schlicht und einfach vergessen hast, nach deinem Vorsatz zu handeln.

Wie geht es dann weiter?

Tja, du wirst dich jetzt wahrscheinlich nicht so richtig wundern: Auch dein Handeln in dieser Situation ist reine … Gewohnheit.

Aus dieser Gewohnheit heraus denkst du dir: Dann klappt es wohl bei mir nicht und du beendest einfach deinen Plan, Lernen zur Gewohnheit zu machen. Oder du verdoppelst deine Anstrengungen. Oder du veränderst den Plan.

Ganz egal wie, du handelst in dem Fall einfach nach deiner Gewohnheit.

Es ist ganz normal, dass Gewohnheiten am Anfang instabil sind. Schließlich baust du sie ja gerade erst auf. Das lässt sich gut mit einem Trampelpfad vergleichen. Wenn du einen anderen Weg durch eine Wiese gehen möchtest, dann trittst du am Anfang das Gras platt und am Folgetag ist das nicht mehr zu sehen. Du hast das Gefühl, du fängst von vorne an. Und je öfter du diese Strecke gehst, desto mehr wird daraus ein Weg. Erst sieht man in Gras eine Laufspur. Dann ist das Gras ein bisschen plattgedrückt. Und je öfter du diesen Weg gehst, desto mehr wird es ein schöner Trampelpfad.

Nimm dir die Zeit und die Ruhe, das mit deinen neuen Lerngewohnheiten ebenso zu tun. Es kann nicht funktionieren, dass du einmal deine neue Gewohnheit anwendest und davon ausgehst, dass es ab jetzt immer und automatisch ablaufen wird. Es dauert seine Zeit und das ist in Ordnung so.

Wie kannst du es dir leichter machen?

Etabliere gleichzeitig zu deiner neuen Lerngewohnheit auch eine Gewohnheit, bei der sich alltägliche Gegenstände an einer anderen Stelle befinden. Du kannst deine Tassen in einen anderen Schrank stellen, die Zahnbürste oder Bürste auf die andere Seite des Waschbeckens legen oder die Socken in eine andere Schublade räumen.

Und jetzt beobachtest du, was mit den beiden neuen Gewohnheiten passiert.

So könnte es sein:

Tag 1: Ich greife auf die falsche Seite des Waschbeckens. Wo ist meine Bürste? Ich habe meine Bürste verloren.

Tag 2: Mist, ich wollte doch die Bürste immer auf die rechte Seite legen. Habe ich vergessen. Tag 3: Heute denke ich dran, heute denke ich dran, heute denke ich dran. Dran gedacht!

Tag 4: Hm, wo war die Bürste, ach ja.

Tag 5: Ich habe die Bürste schon wieder auf die falsche Seite gelegt.

Tag 6: Heute fasse ich gezielt auf die richtige Seite und greife nach der Bürste. Hat geklappt!

Und so weiter und so weiter. Das habe ich mit meiner Bürste übrigens tatsächlich so gemacht und es ist erstaunlich, wie lange es dauert, bis so etwas Einfaches automatisiert passiert.

Wenn du zeitgleich eine so einfache Veränderung anpasst und dazu deine Lerngewohnheit etablierst, dann ist es viel einfacher zu verstehen, warum die Lerngewohnheit noch nicht so gut funktioniert. Es ist viel einfacher, sich die Zeit zu nehmen, alles in Ruhe umzustellen. Und du gehst viel barmherziger und liebevoller mit dir selbst um.

Also, auf ein Neues.

Führe dir vor Augen, wie deine neue Lerngewohnheit aussieht. Wähle gleichzeitig eine ganz kleine zweite Veränderung und dann geht es von vorne los. Jeden Tag. Und irgendwann (nach ungefähr 3 Wochen) hast du das automatische Verhalten, das du dir gewünscht hast und alles wird einfacher.

Das lohnt sich wirklich! Denn je weniger Anstrengung es kostet mit dem Lernen zu beginnen, desto mehr Kapazitäten hast du für den Lernstoff. Und außerdem macht es auch viel mehr Spaß 😉

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