Was für Fragen stellst du dir vor der Prüfung?

Direkt vor einer Klassenarbeit in der Schule ging immer das „Geschnatter“ los. Kennst du das auch? Die tausend Fragen, weil alle so nervös sind: Hast du das und das gelernt? Meinst du das und das kommt dran? Hast du den Ablauf ganz genau gelernt oder nur grob? Das kann ich noch nicht, fragst du mich das schnell ab? Wie hieß dieses eine Wort noch mal, ich komme da gerade nicht drauf?

Puh! Wenn ich nur dran denke werde ich müde und gleichzeitig hektisch. Schon damals wusste ich, dass mir das nicht guttut. Egal wie die Antwort auf diese Fragen lautet, es lässt sich bis zur Klassenarbeit oder Prüfung einfach nicht mehr machen.

Stell dir also das Gespräch einmal ausführlich vor: „Hast du das und das gelernt?“ „Ja, denn ich bin ganz sicher, dass es heute abgefragt wird.“

„Hast du den Ablauf ganz genau gelernt oder nur grob?“ „Ich habe ihn grob gelernt, so stand es im Lernplan.“

Diese Gespräche ändern einfach nichts mehr, der Zeitraum ist zu kurz.

Und letzten Endes ist es auch gar nicht das, was mein Gegenüber meint. Die wahrhaftige Frage hinter dem „Geschnatter“ müsste eigentlich so gestellt werden: „Ich bin so aufgeregt und habe große Angst, dass ich die Prüfung nicht schaffe. Kannst du mir Halt geben?“ Und weil jede*r auf das „Geschnatter“ antwortet, bleiben Aufregung und Unsicherheit so groß. Die Antwort auf die eigentliche Frage wurde schließlich nicht gegeben.

Wenn meine Aufregung groß war, ist sie mir auf den Körper geschlagen. Ich hatte Nackenschmerzen und von da aus zogen dann die Kopfschmerzen hoch in den Kopf. Sehr unangenehm. Dann habe ich angefangen, meine Angst zu äußern. Ich habe einfach alle Menschen vollgequatscht, wie aufgeregt ich bin. Dass ich Angst habe, durchzufallen. Dass mir die Stimme wegbleibt, mir nichts einfällt, alles ganz schlimm wird.

Das war mein erster persönlicher Durchbruch, denn damit blieben meine Nackenschmerzen aus.

Wenn ich zurückblicke, ist es auch ganz klar: Dadurch, dass ich meine Angst benenne, muss sie nicht in meinem Körper steckenbleiben. Sie kann einfach raus. Mein Umfeld hat mich damit als viel nervöser erlebt. Das stimmt aber nicht. Die Angst oder Nervosität zeigt sich nur anders. Sie kreist nicht mehr in mir drin und macht mir Nackenschmerzen, sondern sie geht nach außen. Damit habe ich den ersten Satz der wahrhaftigen Frage ernst genommen:

„Ich bin so aufgeregt und habe große Angst, dass ich die Prüfung nicht schaffe. Kannst du mir Halt geben?“

Und der zweite Teil ist genauso wichtig: „Kannst du mir Halt geben?“ Natürlich klingt die Frage so ziemlich sperrig. Deshalb übersetze ich sie mal in Alltagsdeutsch. Du kannst dein Umfeld fragen: „Warum meinst du, kann ich meine Prüfung bestehen?“ Und dir selbst kannst du diese Frage auch stellen. Und diese Antworten sind richtig wertvoll.

„Weil du bis jetzt jede Prüfung bestanden hast.“ „Weil du gut vorbereitet bist.“ „Weil dich das Thema interessiert.“ „Weil ich dich abgefragt habe und weiß, dass du den Lernstoff beherrschst.“ Diese Antworten geben Halt. Diese Antworten erinnern dich an deine eigenen Stärken.

Diese Frage und die entsprechenden Antworten stärken dich ungemein für eine Prüfung. Du fokussierst dich ungemein auf das Wesentliche: Deine Angst und deine Stärken.

Und wie ist das jetzt mit dem Geschnatter? Haben solche Fragen keine Berechtigung? Oh doch! Aber nicht in den letzten zehn Minuten vor der Prüfung. Ein oder zwei Wochen vor der Prüfung können solche Fragen durchaus Sinn machen. So kann man gut überprüfen, dass man auch wirklich den richtigen Lernstoff lernt. Und mit dem richtigen Lernstoff und den Antworten, die dir Halt geben, kannst du gestärkt in die Prüfung gehen und dann ist sie auch ganz schnell vorbei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.